|
9. Kapitel: Fünf Streitformen:
Nicht jeder Streit kann zur Einigung führen. Es gibt immer wieder Situationen, die Unterwerfung verlangen. Manchmal verlangt aberdie Selbsterhaltung, dass wir alles daran setzen müssen, zu siegen. Der Kampf um den Sieg kann sicher ebensowenig völlig ausgeschlossen werden, wie die Niederlage, das Scheitern und Verlieren. Jedoch: Wer sich mit Konflikten auskennt, wird Streitsituationen besser und schneller einschätzen können. Im Ernstfall geht es darum, die Situation zu verstehen und zu überblicken, um für die jeweils notwendigen Entscheidungen optimale Voraussetzungen zu schaffen. Das folgende Schema bringt die fünf Streitformen zur Darstellung. Es geht um Eigeninteressen und Interessen der anderen. 1. Werden sowohl die Eigeninteressen als auch die Interessen der anderen gering geschätzt, kommt es zur Verleugnung und Verdrängung des Konflikts: Abwarten oder Flüchten. 2. Wenn die Eigeninteressen hoch, die der anderen aber gering geschätzt werden, setzen wir auf: Kämpfen und Siegen. 3. Wenn die Interessen der anderen hoch und die eigenen gering gelten, kommt es zu: Nachgeben und sich unterwerfen. 4. Wenn beide Interessen hoch geschätzt werden, wird von jedem ein gewisses Zugeständnis gefordert: Kompromiss schließen. 5. Die Konsensfindung ist die wirklich optimale Streitform. Sie unterscheidet sich von den anderen vier Streitformen dadurch, dass sie außerhalb der verhandelten Interessens-Felder eine neue Idee entwickelt. Alle Beteiligten fühlen sich als Gewinner. In jedem Fall kreativ. Diese fünf Streitformen haben in verschiedenen Konfliktsituationen jeweils ihre Berechtigung. Wer über alle fünf verfügt, kann im Konflikt optimal beweglich agieren. Jeder Mensch hat ein gewisses Repertoire. Wer aber immer mit dem- selben Muster reagiert, zeigt damit, dass nicht die Konfliktsituation, sondern nur die eigene unbewegliche Struktur das Streitverhalten bestimmt.
|
|