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8. Kapitel: Können Sie Fehler zugeben?

Immer wieder geht es in Streitfällen um die Frage "Wer ist schuld?" Schuldzuweisungen und Schuldgefühle sind ein beliebtes Machtinstrument.
Schuld hat mit Verboten und mit Strafen zu tun. Die Idee, mit der Bestrafung von Schuldigen Konflikte zu beenden, führt immer wieder in Sackgassen. Dort warten Demütigungen, Ungerechtigkeiten, Rachewünsche und Vergeltung....
Es geht also um die Frage der Bewertung von Absicht und Folgen im Streit. Allzu leichtfertig wird von negativen Folgen auf ebenso negative Absichten kurzgeschlossen. Dann beginnt der Teufelskreis der Schuldfragen.
Vergessen Sie die Suche nach eindeutiger Feststellung von Wahrheit im Streit. Konflikte sind so vielschichtig, alle Beteiligten haben ihre eigene Wahrheit. Und alle machen Fehler.
Einer der wichtigsten Grundsätze meiner Konflikttheorie bezieht sich auf den Umgang mit Fehlern.
Wer Fehler zugeben kann, kommt dem anderen entgegen. Zu-geben heißt etwas geben. Wer im Streit den eigenen Fehler als Gabe einbringt, bezieht sich auf ein uraltes Ritual, mit dem Fremdheit überwunden werden sollte. Der Gabentausch war immer schon eine Geste der friedliche Absichten. Durch ständiges Geben und Nehmen wird das Fortbestehen allen Lebens gesichert. Die archaische Regel "Gaben müssen erwidert werden!" ist durch alle Zeit unvermindert aktuell geblieben.
Eigene Fehler ernsthaft zu suchen und sie in passender Form zu präsentieren, ist nicht leicht. Unglaubwürdige Botschaften reichen vom Lippenbekenntnis bis zum dramatischen Auftritt. Gute Wegweiser zur Entdeckung eigener Fehler sind die Gefühle. Wer den eigenen Gefühlen folgt, kommt sich selbst auf die Spur. Dort sind Nachrichten und Botschaften der Geheimnisse zu finden, die wir vor uns selbst haben. Das ist eine Abenteuerreise ganz besonderer Art.
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