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3. Kapitel: Haben Sie einen Standpunkt?
Können Sie ?Nein? sagen? Nein sagen zu können ist die Voraussetzung, um einen eigenen Standpunkt zu haben. Das Nein markiert die Abgrenzung und die Unterscheidung zwischen der eigenen Person und allem Fremden. Das Nein ist die Wurzel der Urteilskraft. Damit wird deutlich, wie unverzichtbar das Nein ist. Der Abstand zwischen mir und allem anderen ist notwendig, wenn es darum geht, einen eigenen Standpunkt einzunehmen und sich eine Meinung zu bilden. Diese wiederum ist eine wichtige Voraussetzung für konstruktives Streiten. Wer den eigenen Standort definieren will, kann das durchaus auch körperlich unterstützen. Machen Sie den Versuch: Spüren Sie mit den Füßen den Boden und richten Sie sich so auf, als würde der Kopf in den Himmel hinauf streben. Dann provozieren Sie bewusst atmend mit dem Körper den Gleichgewichtsinn bis an die Grenzen der Balance, - können Sie Ihren Standpunkt halten? Können Sie auch zu Ihrer eigenen Meinung stehen, sogar gegen die Meinung anderer? Zu widersprechen fällt vielen Menschen schwer, ganz besonders dann, wenn Abhängigkeiten bestehen. Die Schwierigkeit, ?Nein? zu sagen, hat allerdings auch mit einem Mangel an Übung zu tun. Der Harmoniekult läßt Widersprüche verstummen. Aber: Alles, was wir verstehen wollen, können wir nur festhalten, indem wir es benennen. Vielleicht haben Sie von Kind an wenig Gelegenheiten gehabt, ihre Meinung zu sagen? Dann wird es höchste Zeit! Nein zu sagen, ohne Standortbeschreibung, ohne die eigenen Interessen zu erklären, wirkt meistens verletzend. Der Widerspruch klingt dann grob und simpel. Üben Sie zu widersprechen, formulieren Sie Gegenargumente, zum Beispiel beim Fernsehen oder wenn Sie die Zeitung lesen. Aber formulieren Sie wirklich ganze Sätze! So lernen Sie, eine eigene Meinung auszudrücken. Und wenn Sie sich dabei auch noch beobachten, wie in einem Spiegel, werden Sie ein gutes Stück mehr über sich selbst erkennen und wissen. Wenn wir das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, in Worte übertragen und wirklich in ganzen Sätzen verständliche Aussagen formulieren, wird uns etwas bewusst. Wir begreifen das, was wir auf den Begriff bringen. Das ist der Weg, Bewusstsein zu schaffen. Wir alle kennen dieses Prinzip, wenn es darum geht, in der Schule oder für den Beruf zu lernen. Dass aber das Wissen über uns selbst dieselben Prozeduren verlangt, ist weitgehend unbekannt. Sie werden die Regeln und Prinzipien der Konfliktkultur nur dann erfolgreich erlernen, wenn Sie in beruflichen und privaten Konflikten üben. Konstruktives Streiten kann nicht nur für berufliche Konflikte eingesetzt werden. Wenn Sie im Berufsleben erfolgreich streiten wollen, müssen Sie es als Person, als ganzer Mensch können. Rezepte für Techniken, die beruflichen Erfolg versprechen, ohne Ihr privates Streitverhalten zu betreffen, wären mit einer Meinung vergleichbar, die nicht wirklich Ihren Standpunkt ausdrückt, sondern um eines Vorteils willen behauptet wird.
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